Besser gespielt und dennoch verloren
Niklas Tadda, Felix Walcher, Lukas Tadda und Hannes Hofmann
„Wir haben gut gespielt. Alles richtig gemacht. Aber leider nicht das Tor geschossen“, resümiert Bundestrainer Wilhelm Nier die Partie. Und tatsächlich sind sich die Spieler einig, dass die Leistung zu den besten zählt die eine deusche Herren- Nationalmannschaft je abgeliefert hat. So hatte das Spiel auch unter den zahlreichen Zuschauern Endspielcharakter. Beide Teams kannten sich bereits aus den beiden WM Finalen 2011 und 2015 sowie aus dem EM Finale 2010.
Wie zu erwarten begann das Spiel mit norwegischem Ballbesitzt und einer ersten Druckphase auf das deutsche Tor. Die schwimmstarken Nordländer sind für ihre schnellen und konterstarken Spieler bekannt, daher war das deutsche Team darauf vorbereitet. Das gesamte Match stand unter dem Motto: „Defense“. So lautete in diesem Jahr auch der Schlachtruf der Mannschaft.Ein schnelles hin und her von Korb zu Korb ließ lange Zeit keinen Vorteil einer Mannschaft erkennen. Ballverluste wurden direkt in schnelle Kontergegenstöße umgewandelt, wurden jedoch auch oft von Ballverlusten verfolgt. Das temporeiche Spiel fand in der 9 Spielminute eine erste Pause als Norwegen verdächtig lange zur Freiwurfausführung
Deutscher Co Trainer Marcel Mohring mit der Halbzeitansprache
benötigte. In Minute 10 dann sogar eine Auszeit des amtierenden Weltmeisters. Lukas Tadda ermahnte sein Team – „Ihr wisst alle genau was jetzt kommt“- und spielte damit auf den Spielzug der Norweger im Finale 2011 an. In diesem WM Finale hatte Norwegen im exakt selben Bad bereits schon einmal nach einer Auszeit mit Freiwurfvorteil ein schnelles Tor nach geglücktem Spielzug erzielt.
Doch dieses Jahr war die deutsche Auswahl wacher. 3 Minuten vor der Halbzeit dann der Schock. Sebastian Lange erhielt eine 2 Minute Strafe als er einen gegnerischen Spieler vom deutschen Korb schob. Und es sollte sogar noch schlimmer kommen. Der zweite Unterwasserschiedsrichter pfiff nur wenige Sekunden später ein weiteres Foul für Treten. Somit mussten gleich zwei deutsche Spieler gleichzeitig auf die Strafbank. Die doppelte Unterzahl, die auf Topniveau als sichere Torchance gilt, überstanden die deutschen nicht nur durch konsequentes Verteidigen sondern auch durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Von Nervosität oder Frust war keine Spur. Das Team nahm die Herausforderung an und ließ die Tormaschine Norwegen einfach nicht zum Abschluss kommen. Nach Ablauf der Strafzeit kam das deutsche Team dann sogar nochmal in Ballbesitz und zu einer abschließenden Druckphase. Die exakt richtige Reaktion und gleichzeitig eine Vorschau für die zweite Halbzeit.
In Durchgang zwei wurde das Spiel nämlich zunehmend hitziger. Neben Klammereien an der Wasseroberfläche, tauchten auch zunehmend Spieler mit fehlenden Ausrüstungsgegenständen auf. Die Reservespiele hinter den Wechselbänken mussten ein ums andere Mal in die Ersatzausrüstungskisten greifen.
Nach einer torlosen und weitgehend unterbrechungslosen zweiten Halbzeit, ging es für beide Teams in die 15- minütige Verlängerung mit Golden Goal- Entscheidung.Deutschland wirkte in dieser Phase frischer. Norwegen gelang es jedoch immer wieder die Schlinge am eigenen Korb mit wuchtigen Befreiungskontern zu lösen. Alle diese Konter konnten zwar vom deutschen Vorchecking noch vor dem eigenen Tor entschärft werden, Norwegen verschaffte sich damit allerdings ausreichend Luft um nach Ballverlusten bereits wieder sicher in der Verteidigung stehen zu können. In der 37. Minute dann der erste Wechsel auf deutscher Seite. Hannes Hofmann kam für Michael Nosseir und sollte noch einmal frische Impulse in die Angriffswellen bringen. In der 39 Minute dann direkt auch eine der vermutlich besten Chancen des Spiels, als die norwegische Verteidigung einmal Lücken in der Ablöse zeigte. Ein Stürmer bekam aber den Ball geklammert und konnte retten.
Golden Goal von Matchwinner Iver Bjönerem (Norwegen)
4 Minuten vor Ende dann noch einmal ein Schock. Unterwasser- Schiedsrichterin Kajsa Lindman tauchte auf und zeigte auf Torwart Christian Prowald. Dieser erhielt glücklicherweise nur eine allerletzte Ermahnung für Halten. Die kurze Unterbrechung reichte offensichtlich Norwegen zum Luftholen, kamen sie im Anschluss noch einmal Druckvoll. 3:05 Minuten vor Ende dann der Schock. Iver Bjönerem, Matchwinner im WM Finale 2015, konnte eine Vorgabe am
Tor eiskalt von der Wand und mit reichlich Kraft und Schwung ins deutsche Tor verwandeln. Der 1:0 Treffer war gleichzeitig der Schlusspfiff des Spiels. Deutschland ist nach einer hervorragenden Leistung leider trotzdem torlos aus Rennen um den EM Titel geflogen. Im morgigen Spiel gegen Schweden geht es nun um Bronzemedaille, gegen die man sich in der Vorrunde 1-1 getrennt hatte. Norwegen trifft im Finale auf Vorrunden- Gegner Dänemark und möchte neben dem EM Titel auch Revanche für die 1:0 Niederlage im ersten Aufeinandertreffen nehmen.
Deutsche Damen im Traumfinale
Grenzenloser Jubel nach dem Schlusspfiff der Deutschen Damen
Bei den deutschen Damen lief alles nach Plan. Nach einer souverän gespielten Vorrunde, trifft man nach einem 1:0 Sieg gegen Finnland im Finale auf Wunschgegner Norwegen. Das Spiel, mit deutlich mehr Freiwürfen auf finnischer Seite,
Einschwören vor dem Halbfinale gegen Finnland der Deutschen Damen
spielte sich zu großen Teilen im Mittelfeld ab. Beide Mannschaften konnten sich lange nicht in der gegnerischen Hälfte festsetzten.
In Durchgang zwei gewannen die deutschen Damen deutlich mehr Spielanteil. Bundestrainer Jörg Oertel erinnerte seine Spielerinnen: „Ihr seid die Weltmeisterinnen, also spielt auch so. Ich kann das nicht für euch tun. Das ist euer Spiel. Ruft eure Leistung ab und wir gehen als Gewinner raus“. Gesagt getan. In Minute 19 kam zwar Finnland noch einmal zu einer kurzen Druckphase, wechselte aber gleichzeitig mit drei Spielern im langen Wechsel aus. Diese Gelegenheit nutzen die deutschen Damen zur Balleroberung und Temp- Gegenstoss. Nur wenige Sekunden später
1-0 durch Maren Janko gegen Finland
gelang dann der ersehnte 1:0 Führungstreffer durch Maren Janko. „Für dich Regina“, rief sie nach dem Jubel und widmete ihr Tor Torjägerin Regina Pavlovic, die sich heute nicht wohl fühlte und somit aussetzte. Nach der Führung wirkten die Finninnen dann etwas unorganisiert. Einer Auszeit der deutschen Mannschaft in Minute 25 ließen die Finninnen unmittelbar ihre Auszeit folgen. Die somit entstandene zwei- minütige Unterbrechung tat beiden Mannschaft gut.
Dennoch verlief das Spiel in der Schlussphase hektisch und emotional. Während auf der finnischen Seite insgesamt sechse Freiwürfe gegen Deutschland gepfiffen wurden, bekamen die deutschen Damen erstmals in Minute 26 einen Freiwurf zugesprochen. Die wohl gefährlichste Szene dann in der Schlussminute. Finnland gelang nach einer kurzen Druckphase direkt eine gute Kombination. Waren zuvor nur Einzelaktionen auf den deutschen Korb zu sehen, fand erstmal 28 Sekunden vor dem Ende ein Pass am Tor eine finnische Abnehmerin auf der offenen Seite. Die deutsche Verteidigung stand jedoch sicher und verhinderte schlimmeres. Auch ein Freiwurf 18 Sekunden unmittelbar vor dem deutschen Korb zeigte noch einmal die Nervosität unter welcher die Finnen zu kämpfen hatten. Anstelle eines letzten Angriffs getreu dem Motto „alles nach vorne“, fiel der Ball direkt nach dem Anhupen herrenlos nach wenigen Pässen auf den Boden. Die befürchtete letzte Angriffswelle Finnlands verpuffte dadurch.
– Torsten Stanschus
Heutige Spiele:
Herren Blau (Spiel um 3ten Platz)
Deutschland – Schweden 12Uhr (deutsche Zeit)
Damen Weiß (Damen Finale)
Deutschland – Norwegen 13.15Uhr (deutscher Zeit)
EM Herren Finale
Norwegen – Dänemark 14:00 Uhr (deutscher Zeit)
Ausblick:
Die deutschen Herren kennen ihren gegner des kleinen Finales bereits aus der Vorrunde. Dort konnte man früh in Führung gehen und weite Teile des Spiels dominieren. Jedoch konnte Schweden in der zweite Hälfte eine ihrer weniger Chancen zum Ausgleichstreffer nutzen. Die Schweden konnten zudem mit gleich zwei Toren im Spiel gegen Dänemark (2:3 Endstand) sowie dem Golden Goal Sieg über die Türkei im Viertelfinale ihre Torgefährlichkeit unterstreichen. Für das deutsche Team wird es wichtig sein die Konzentration über die gesamte Zeit aufrecht zu erhalten. Auf dem Papier gilt Deutschland als Favorit.
Bei den deutschen Damen ist der Gegner etwas schwerer zu analysieren. Das Spiel der Norwegerinnen wirkt sehr tagesformabhängig. Auf der WM verlor das deutsche Team in der Vorrunde gegen Konterstarke Norwegerinnen mit 2:1. Gewannen aber im abschließenden Finale dominant 3:0. Die Norwegerinnen spielten sich heute souverän mit einem 3:0 gegen Schweden durchsetzen. Alle drei Tore fielen in der ersten Halbzeit.
Sowohl das kleine Finale um Bronze bei den Herren, wie auch das große Finale um den EM Titel bei den Damen werden sicherlich wieder hochklassige Spiele. Beide Teams gelten in den Begegnungen als Favoriten, müssen dieser Rolle nun aber auch gerecht werden. Die Spiele werden wieder live via Livestream übertragen und kommentiert.
Anekdoten:
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Sari Nuotio (Finish Diving Federation), Anna Arzhanova (CMAS President), Levent Cavas (CMAS UWR Commission President), Torsten Stanschus (German Head of Delegation)
Schweden gewann nach der unterwartet hohen 0:5 Niederlage, heute die zweite Begegnung gegen die Türkei 2:1 per Golden Goal. Das Tor fiel 8 Sekunden vor Ende der Verlängerung.
- Die Türken konnten ihre Serie – Torerfolg in der ersten Halbzeit – auch am heutigen Wettkampftag fortsetzten.
- CMAS Präsidentin Anna Arzhanova ist seit gestern auf der Europameisterschaft. Sie stelle sich der Fragen der UWR Community bei einem offenen Dialog im Pool im Anschluss an die Spiele. Heute war sie den Tag über im Bad und hat die Spiele beobachtet. Es fand spanischer und konstruktiver Austausch statt.
- Die Dänen gewannen ihr Halbfinale gegen Schweden mit 3:2 und stehen somit zum ersten Mal seit 1997 wieder im Finale. Dänemark war 1982 erstmals und bisher einzige mal Europameister. Die Meisterschaft wurde damals in Malmö ausgetragen.
Mehr über die EM17 in Helsinki
Spielplan von der Europameisterschaft: http://bit.ly/UWR-EM17
Weitere Berichte von der Nationalmannschaft: Tagebuch Helsinki
Livestream: http://www.aapiskukko.com/uwrec





